Franz Danzi - Composé et Dedié à Madame Dülcken née Le Brun
Concerto pour le Piano-Forte avec Accompagnement de 2 Violons, Alto, Basso, 2 Flutes, 2 Hautbois et 2 Cors, composé et dédié à Madame Sophie Dulcken née Lebrun par son Oncle Franz Danzi. Oeuvre 4
Danzi's piano concerto for Sophie Dülcken: dating it around 1800
The title page of Franz Danzi's Piano Concerto in E-flat, op. 4 (P 229, published by Falter, Munich) carries the dedication "à Madame Dülcken née Le Brun". That wording is a clue to the dating.
The lower limit: the marriage of 18 April 1799
Sophie Le Brun, daughter of Danzi's sister Franziska Lebrun, acquired the name Dülcken through her marriage to Louis Dulcken.
Huwelijk 18 April 1799 Jan Lodewijk (Louis)Dülken x Sophia Lebrun
E.L. huwelijk Augsburg (Bayern / Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern / Dekanat Augsburg / Augsburg-Gesamtkirchengemeinde / Trauungen 1796 - 1819, pagina 99, Bild 57):
"Aprilis, 1799 99.
[Donnerstag] d[en] 18. hor[a] 7
25. Ludwig Dulken, A[ugsburger] C[onfession] Hofklaviermacher in München,
und Jungfer Sophia Lebrun, Hofmusikus-Tochter,
von München C[atholischer] R[eligion]
sind in der Stille copuliert worden beijm H[eiligen] Creuz".
Dus de transcriptie betreffende het eigenlijke trouwboek van de ''parochie" Heilig Kreuz betreft dus GEEN E.L. ondertrouw, maar ook E.L. huwelijk.
"Nomina Sponsoru[m] Dies Mensis Decembris An[n]o 1799
Dülken, seu 27. Ludovicus Dülken churf[ürstlicher] Hof-Instrumen[ten]m
Dälken macher, acatholicus, des Ludovicus
dessen Dülken k[öniglich] französischen Instrumenten
Revalidation machers, dann Anna dessen Eheweib
m[a]t[ri]m[on]ii ____ beiden seelig, ehlicher Sohn, mit
Sophia Lebrun, des Ludovicus
x Lebrun churf[ürstlichen] Hofmusikus, dann
Lebrun Francisca dessen Eheweib seelig, ehelichen
Tochter. Testes: Theobald Marschand
churf[ürstlicher] Theater-Director, Franz
Danzi c[h]u[r]f[ürs]t[licher] Kapelmeister, tempore
vetito cum dispensatione denuntiationu[m]".
Danzis Klavierkonzert für Sophie Dülcken: eine Datierung um 1800
Auf dem Titelblatt von Franz Danzis Klavierkonzert in Es-Dur, op. 4 (P 229, Verlag Falter, München) steht die Widmung „à Madame Dülcken née Le Brun“. Diese Formulierung ist ein Anhaltspunkt für die Datierung.
Die Untergrenze: die Heirat vom 18. April 1799
Sophie Le Brun, Tochter von Danzis Schwester Franziska Lebrun, erhielt den Namen Dülcken durch ihre Heirat mit Louis Dulcken. Die erste Eheschließung fand am Donnerstag, dem 18. April 1799, um 7 Uhr, „in der Stille“ bei Heilig Kreuz in Augsburg statt. Sie steht als Nr. 25 im evangelisch-lutherischen Trauungsbuch und ist somit ein Trauungseintrag, keine Verkündigung. Ludwig Dulken, Hofklaviermacher in München, war lutherisch (Augsburger Konfession); Sophia Lebrun, Tochter eines Hofmusikers, war katholisch.
Die zweite, katholische Heirat folgte am 27. Dezember 1799, in der geschlossenen Zeit zwischen Advent und Dreikönig und mit Dispens von den Aufgeboten („tempore vetito cum dispensatione denuntiationum“). Das Register nennt Louis kurfürstlichen Hof-Instrumentenmacher und acatholicus, Sohn des verstorbenen Ludovicus Dülken, königlich französischer Instrumentenmacher, und dessen Frau Anna. Sophie ist die Tochter des verstorbenen Hofmusikers Lebrun und der Francisca. Trauzeugen waren Theobald Marchand, kurfürstlicher Theater-Director und Vater von Margarethe Marchand, und Franz Danzi, kurfürstlicher Kapellmeister.
Der Name Dülcken galt in der lutherischen Kirche bereits ab dem 18. April 1799, das Konzert kann also nicht früher entstanden sein. Für das katholische München und für den katholischen Hofkapellmeister Danzi bestand die Ehe jedoch erst seit dem 27. Dezember 1799. Eine Widmung an „Madame Dülcken“ erscheint daher nach diesem Datum wahrscheinlicher als davor, doch das ist eine Einschätzung und kein Beweis.
Die Anmerkungen zum Eintrag nennen den Grund für diese zweite Heirat. Louis war nach dem Kauf eines Hauses Bürger von München geworden und hatte seine nichtkatholische Religion gegenüber den Münchner Behörden verschwiegen, weil ihn niemand danach gefragt hatte. Danach heiratete er in Augsburg vor einem lutherischen Prediger, ohne die bayerischen Gesetze zu kennen. Die kirchliche Obrigkeit betrachtete diese Ehe als von Anfang an nichtig und ordnete, ausschließlich für diesen Fall, eine katholische Erneuerung an, unter anderem im Hinblick auf die Unwissenheit der Eheleute und das Wohl etwaiger Kinder. Der Päpstliche Stuhl war damals vakant. Louis legte außerdem einen Revers für sich und seine Nachkommen ab. Das Register zählt in diesem Jahr 96 Eheschließungen. Dies ist meine Lesart des Lateinischen und muss noch überprüft werden.
Die Obergrenze: der Verleger Falter
Das Titelblatt nennt Falter in München, gibt aber keine Jahreszahl an. Das IMSLP-Werkverzeichnis setzt das Konzert in München, 1800 an. Die Quelle dieser Datierung ist dort nicht angegeben und muss daher überprüft werden. Die benachbarten Werke geben Kontext: Die Klaviersonate op. 3 erschien als Falter-Plattennummer 50 (undatiert), das Sextett op. 10 als Platte 95 im Jahr 1802 und das Sextett op. 15 im Jahr 1803. Die Plattennummer von op. 4 ist noch nicht ermittelt, dürfte aber vermutlich zwischen 50 und 95 liegen.
Margarethe Marchand und das Jahr 1800
Danzis Frau, die Sängerin, Pianistin und Komponistin Margarethe Marchand, starb am 11. Juni 1800. Ihre eigenen Kompositionen erschienen 1801 und 1802 bei Falter, die Verlagstätigkeit lief also nach ihrem Tod weiter. Biographische Skizzen betonen, dass der Verlust seinen Ehrgeiz als Komponist dämpfte und dass ihn höfische Konflikte 1807 nach Stuttgart trieben. Für diese Krise wurden bisher nur knappe Quellen gefunden (u. a. Britannica und die ADB).
Was das bedeutet
Das Konzert kann als Hochzeitsgeschenk zwischen dem 27. Dezember 1799 und dem 11. Juni 1800 entstanden sein, als Margarethe noch lebte und Danzi seit 1798 Vizekapellmeister in München war. Wenn man die lutherische Heirat vom April 1799 als Untergrenze nimmt, öffnet sich das Zeitfenster schon im April 1799. Es kann auch während oder nach seiner Trauerzeit entstanden sein, bis zur Hochphase um 1802. Eine Aussage über die Reihenfolge lässt sich derzeit nicht begründen. Die Krise nach 1800 ist der Hintergrund, vor dem das Werk erschien, nicht eine Erklärung des Werks selbst.
Noch zu tun
Die Plattennummer von op. 4 bei Falter ermitteln (IMSLP, RISM, Bayerische Staatsbibliothek).
Die IMSLP-Datierung „München 1800“ in der Danzi-Literatur (Pechstaedt) überprüfen.
Nach einer Ankündigung in der Allgemeinen musikalischen Zeitung oder in Münchner Quellen um 1799-1802 suchen.
Den Trauungseintrag aus Augsburg und die katholische Bestätigung im Advent einsehen.
Das Instrument: ein Dulcken-Fortepiano in München
Das Titelblatt spricht von einem Konzert „pour le Piano-Forte“. Nach den Archivfunden auf musicksmonument.com wurde Louis Dulcken (geboren 1761 in Amsterdam) 1779 Assistent des Münchner Klavierbauers Johann Peter Milchmeyer. 1781 wurde er von Kurfürst Karl Theodor als mechanischer Klaviermacher an den Hof berufen. Im Juni 1782 übernahm er Milchmeyers Amt und wurde mit 21 Jahren Stadtklavierbauer von München. Sophie Dülcken spielte das Konzert daher mit großer Sicherheit auf einem Dulcken-Fortepiano: Die Frau des Hofklavierbauers spielte öffentlich nicht auf dem Instrument eines anderen. Dieses Instrument war zudem vermutlich Louis' Hochzeitsgeschenk an seine Braut.