


Joh. Jacob Schnell, 1740 zu Vaihingen im Würtembergischen geboren, versuchte 1785 das Piano mittelst Wind zu intoniren. Schnell hatte das Schreinerhandwerk erlernt, und kam 1762 zu dem Orgelbauer Geisinger in Rothenburg a. d. Tauber in Arbeit, bei dem er sich bald auf den Instrumentenbau verlegte. Nachdem er bei mehreren Meistern gearbeitet hatte, kam er zu van Dülken in Holland, wo er 6 Jahre blieb.
Dann ging er nach Paris (1777), wurde daselbst Bürger und Meister, erlangte den Titel als königlicher Hofinstrumentenmacher der Gräfin von Artois, und baute Flügel und Claviere. Vier Jahre arbeitete er unausgesetzt mit acht Arbeitern an dem Anemochord, wie er es nannte, dessen Saiten durch Windstrom in Fibration gebracht wurden. Dieses merkwürdige Instrument hatte eine Länge von 7' und eine Höhe von 4 ½. Der Körper war aussen ganz von Mahagonyholz gearbeitet.
Es hatte zwei Tastaturen übereinander. Die obere war von Ebenholz, die untere von Elfenbein. Die lntonirung geschah mittelst Tastendruck und Wind, welcher durch zwei im Innern des Körpers angebrachte Blasebälge erzeugt, und durch Messingröhren gegen die Saiten geführt wurde. Eigens angebrachte Fufstritte bewirkten, dafs die Ventile, welche sich beim Tastenniederdruck gewöhnlich ganz öffneten, auch halb bedeckt bleiben konnten, um den Ton abzuschwellen.
Diese Operation wurde noch durch besondere Registerzüge unter der Claviatur unterstützt. Der Saitenbezug war durchaus dreihörig, und die Saiten der drei oberen Octaven waren mit Seide übersponnen. Der Ton soll äusserst schmelzend und angenehm gewesen sein, und das stärkste An- und Abschwellen zugelassen haben.
Es eignete sich natürlich nur zum gebundenen langsamen Vortrag und zur Gesangbegleitung. Ueberall wo Schnell sein Anemochord producirte, erregte es Bewunderung und erwarb ihm die besten Zeugnisse.
Die stolze Königin Maria Antonette, welche sich oft an Schnell's herrlichem Spiel auf dem Anemochord ergötzt hatte, wollte es käuflich an sich bringen, und versprach ihm eine Gratification von 50,000 Livres und einen Preis von 100,000 Livres für dasselbe.
Ihre Chatoullen waren aber in Folge ihres ungeheuren Aufwandes, Sommerschlittenfahrt auf Salz! — u. dgl. so leer, dass sie nicht zahlen konnte. Schnell sollte ihr daher das Instrument bis auf bessere Zeiten aufheben.
Ein Engländer, welcher sich als Käufer meldete, versprach Schnell mit seinem Instrument frei nach London zu bringen, woselbst er es vier Wochen lang für Geld sehen lassen sollte.
Als Erlös verbürgte ihm derselbe wöchentlich 1000 Guineen, und wollte das allenfalls fehlende aus seiner Tasche stets zulegen. Nach Ablauf dieser vier Wochen müsse Schnell es ihm dann für den Preis von 1800 Livres überlassen. Der ehrliche Meister zog aber vor, der Königin sein Versprechen zu halten, und es demzufolge für dieselbe aufzubewahren.
Durch die Revolution ihusste Schnell endlich seine Gehülfen entlassen, und weil er Hofinstrumentenmacher war, hätte er sogar beinahe auf der Guillotine endigen müssen.
Die Entschiedenheit seiner Frau rettete ihn gerade noch zur rechten Zeit, wo der Augenblick nahte, in dem man ihn zur Schlachtbank führen wollte. Schnell flüchtete, und kam 1795 glücklich in Ludwigsburg mit seinem Auemochord an. Hier baute er nun wieder Flügel und Claviere nach Steinischer Manier von 150 bis 300 fl. Das Anemochord, Melches Schnell 1799 auch in Wien sehen liess, soll er endlich doch noch an einen Engländer nach London verkauft haben.
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