Georg Kurschus, Pfarrer
Zur Orgelgeschichte in der Nikolaikirche zu Siegen
Die erste Nachricht über eine Orgel in der Nikolaikirche haben wir in der Stadtrechnung von Siegen 1515/16. Da heißt es: “…. als diese Bürgermeister den Baumeistern zur Orgel gelehnt, Geld, als die Baumeister und Kirchmeister Geld gebraucht gehabt, die neu angefangene Orgel zu Sanct Niclas davon zu bauen, haben ihnen diese Bürgermeister mit Wissen von Schöffen und Rat zu solcher orgel, die davon zu bauen, geliefert 36 Gulden. ... Am Dienstag nach Conglättet)
Nach der Stadtrechnung 1516/17 wurden ausgegeben: "Für neue Orgel, Kirchturm und Schule ... 56 Gulden 6 Albus. Stadtschreiber und Organist Thomas Laer. "
Die nächste, diesmal gleich betrübliche Nachricht über die Orgel taucht in der Stadtrechnung von 1555/56 auf: "Montag nach Mariae Lichtmeß (d.i. der 3. Februar) ist auf Befehl unseres gnädigen Herrn die Orgel in St. Nikolaikirche abgebrochen." Dies hing zusammen mit der Einführung des reformierten Bekenntnisses in Siegen.
Huldrych Zwingli, der Züricher Reformator, lehnte den Gesang in der Kirche in jeder Form ab. Er meinte, der Apostel lehre uns, nur mit dem Herzen, nicht mit der Stimme werde Gott gelobt. In Zürich wurde der Gemeindegesang ganz aus den Gottesdiensten verbannt. Andere Gemeinden folgten später diesem strikten Verbot. Als Folge davon wurden in vielen Gemeinden nun auch die Orgeln aus den Kirchen entfernt. Ein wortloses Instrument habe in der Kirche des Wortes keinen Platz -: so begründet man den Orgelsturm, dem viele wertvolle Orgeln zum Opfer fallen. Die Dordrechter Synode von 1574 beschließt für die reformierten Gemeinden der Niederlande und des Niederrheins, die Orgelmusik im Gottesdienst grundsätzlich zu verbieten.
Die Nikolaikirche war von 1530 bis 1626 Kirche der erst lutherischen, dann reformierten Gemeinde. 1626 wurde die Kirche der katholischen Gemeinde zugesprochen und war bis 1650 katholische Pfarrkirche. Die katholische Gemeinde ließ 1636 durch einen Meister Hieronymus Ruprecht aus Köln eine neue Orgel bauen. In einer alten Notiz heißt es: "Anno 1637 den 6. September ist die Orgel in der Kirchen S. Nicolai das erstemal geschlagen ...". 1638 wird im Ratsbuch von Siegen ein Organist Petrus Meiensus genannt.
Als die Nikolaikirche 1650 der reformierten Gemeinde übergeben wird, entstehen Auseinandersetzungen um den Besitz der Orgel. Es heißt da in einem Bericht: “…..den 19. Dezember, als die Jesuiten die Orgel aus der Hauptkirchen bringen wollten, ist von den reformierten Bürgern ein Tumult und Auflauf entstanden." Die Orgel wird schließlich von den kaiserlichen Kommissaren der katholischen Gemeinde zugesprochen. Die katholische Gemeinde hat die Orgel abbrechen lassen. Sie wurde 1654 in der damals bestehenden St.Johannis- Kirche von ihrem Erbauer Hieronymus Ruprecht aus Köln eingebaut.
In einer Rechnung "de Anno 1652 biß 1658" wird eine "groß und klein Orgel in St. Nicolai Kirchen" erwähnt. Offenbar hatte man vorübergehend ein Orgelpositiv aufgestellt. Wir wissen aus den Stadtrechnungen, daß für eine neue Orgel in der Nikolaikirche seit 1656 Kollekten eingesammelt wurden. 1658 erhält ein Siegener Bürger Daniel Niederndorf Kostgeld für einen Orgelbauer. Also hat man wohl seit 1658 wieder eine große Orgel in der Nikolaikirche gehabt. Als Organisten an dieser Orgel werden ein Valentin Rod und ein Rektor Dülcken genannt. Es ist anzunehmen, daß Fürst Johann Moritz, der der Gemeinde die schöne Taufschale und die silbernen Abendmahlsgefäße schenkte, der auch in den Jahren bis 1658 die Nikolaikirche auf seine Kosten renovieren ließ, zum Bau einer neuen orgel erhebliche Mittel beisteuerte. Den Namen des Orgelbauers kennen wir leider nicht.

Johann Moritz strebte eine Karriere in den Niederlanden an, wo Familienmitglieder hohe Positionen innehatten. Die politische und militärische Lage sowie die florierende Wirtschaft der jungen Republik boten gute Aussichten. Mit sechzehn Jahren trat er in ein Kavallerieregiment ein und machte anschließend Karriere als Offizier. Im Krieg zwischen Spanien und der Republik, der 1621 erneut aufflammte, nahm er unter anderem an der Belagerung von Schenkenschanz (1635/1636) teil. Zu dieser Zeit begann er auch mit dem Bau seines Stadtpalastes „Mauritshuis” in der Residenzstadt Den Haag.

Blick auf das Mauritshuis
Jan de Bisschop, 1648–1671
Blick auf das Mauritshuis vom Garten von Constantijn Huyghens de Jonge aus. RIJKSMUSEUM
Aus einem Brief vom 2. Oktober 1679 von Constantijn Huygens an Johan Maurits geht hervor, dass es im Mauritshuis eine Orgel gab.
Vom Neubau einer Nikolai-Orgel wissen wir aus dem Jahre 1689/90.
Eine alte Chronik, zitiert in der Siegener Zeitung vom 25.7.1877, berichtet: "Im Jahre 1689 ist die Hauptkirche allhier zu St. Nicolai inwendig gebauet worden, wie auch die neue Orgel darin gemacht worden von einem Meister von Dortmund, Nahmens Alberti, welcher dann laut Accord davon bekommen 550 Rthlr. vor Bälg, Windlade und Pfeifen. Die Structur von Holzwerk hat gemacht der alte Crüdelbach, und hat selbiger davon bekommen 100 Rthlr. Hat 14 Register, worunter eins Fuß spricht Gedackt." Diese Orgel hatte, wie Heinrich Zipp, langjähriger Organist im 19. und 20. Jahrhundert, wußte, folgende Disposition:

Ein selbständiges Pedal fehlte; es waren an das betreffende Manual angehängt.
Diese Orgel wurde 1769 durch Johann Gottlieb Hausmann aus Siegen repariert.
Am 3.1.1791 reicht Johann Christian Kleine, Freckhausen, einen 'Verbesserungsplan' für diese Orgel ein.
Benutzte Literatur:
- Stadtrechnungen der Stadt Siegen seit 1515/16, mit freundlicher
Vermittlung von Herrn Archivar Friedhelm Menk, Siegen
- Hermann J. Busch: Die Orgeln des Kreises Siegen, Berlin 1974
- Heinrich Zipp: Die Orgel der Nikolaikirche zu
. Siegen.
In "Heimatland", Beilage zur Siegener Zeitung,
Nr. 11, Zweiter Jahrgang, 1927, S. 161 ff.
- "Siegener Zeitung" 1877 ff.















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